Geschichte der Hamb. Kommende

Die Geschichte der Hamburgischen Kommende des Johanniterordens im Zeitraffer

Die Hamburgische Kommende des Johanniterordens wurde von der Ordensregierung per Kapitelbeschluss vom 17. November 1950 als „Hamburger Genossenschaft des Johanniterordens“ gegründet. Damit zählt sie zu den jüngeren Genossenschaften im Orden.
Den Grundstein hatte 1948 der spätere erste Kommendator Hans-Heinrich Ferdinand von Koppenfels (+1967) mit der Gründung der „Vereinigung des Johanniter-Ordens in der Hansestadt Hamburg“ gelegt.

Vier Hamburger Kommendatoren im Ordensmantel beim Ritterschlag 2025

Hamburger Kommendatoren beim Ritterschlag 2025 „unter sich“: K Achim von Quistorp (RK 2010 – 2015), EK Dr. Hans-Werner Rhein, RK Dr. Alexander von Kuhlberg, EK Wilko Börner (v. li.)

Der erste Rittertag fand in Anwesenheit des Herrenmeisters im Februar 1951 im Hotel Kronprinz, unweit des Hamburger Hauptbahnhofs statt. Die junge Kommende zählte zu diesem Zeitpunkt elf Rechtsritter, 52 Ehrenritter und drei Anwärter. Hinzu kamen rund 50 Gastritter. Der Herrenmeister ehrte die erste Genossenschaftsgründung nach dem Krieg mit dem Bonmot „Wenn der Johanniterorden nicht bisher bestanden hätte, so hätte er heute geschaffen werden müssen.“

Noch vor Gründung der Genossenschaft fanden die Hamburger Johanniter für ihre karitativen Aktivitäten einen institutionellen Rahmen, der zur veritablen „Erfolgsstory“ im gesamten Orden werden sollte: Zum Jahreswechsel 1948/49 erfolgte in Hamburg die Gründung der ersten „Johanniter Hilfsgemeinschaft“ (JHG). Zentrale Projekte der Anfangsjahre waren Paketsendungen an hilfsbedürftige Familien in der damaligen DDR, in Schlesien und Siebenbürgen sowie die Betreuung von Kriegsgefangenen. Ein seit 1952 ausgerichteter Weihnachtsbasar wurde in den 1990er Jahren von den Benefiz-Konzerten der JHG abgelöst, die bis heute eine feste Einrichtung im Hamburger Johanniterjahr sind.

In der Hansestadt übernahm den ersten JHG-Vorsitz 1952 Eckhard v. Estorff (+1969), ein Hamburger Johanniter-Name mit „Nachhall“ bis in die Gegenwart, trägt doch das erste Ordenswerk der Kommende, das Wohnstift für bedürftige Menschen in Hamburg-Jenfeld seinen Namen.
Mit der seit 2011 ausgerichteten Freizeit für Menschen mit Behinderung als Leuchtturmprojekt, zählt die JHG Hamburg heute rund 400 Mitglieder, davon rund 150 Ordensritter.

Die Gründung der Johanniter-Unfall-Hilfe in Hamburg erfolgte im September 1953. Die Aktivitäten des Ordenswerks standen zunächst im Zeichen der Erste-Hilfe-Kurse, mit der Zeit rückte dann der Rettungsdienst in den Vordergrund, mit der Flutkatastrophe 1962 als erste Bewährungsprobe.
Im Oktober 1967 wurde die erste eigene Rettungswache südlich des Maschener Kreuzes an der A7 gestiftet, eine zweite Wache nahm die JUH zu Beginn der 1970er Jahre in der Barmbeker Straße in Winterhude in Betrieb. Ab Mitte der 1970er Jahre erfolgte der Rettungsdienst hauptamtlich.

Stetig kamen neue Aufgabenfelder wie die Betreuung von Großveranstaltungen, der Kranken- und Behindertentransport, oder die Hospiz-Ambulanz hinzu. In den 1980er Jahren starteten Hilfsaktionen aus der Hansestadt in Richtung Polen, Rumänien und in Gebiete der ehemaligen Sowjetunion. Die größte Aktion der Auslandshilfe begann 1991: Die JUH transportierte Hilfsgüter im Wert von über 50 Millionen DM nach Estland, Lettland und Litauen. Mit der Estland-Hilfe ist die Hamburger Kommende diesem Einsatz bis heute treu geblieben.

Zur Feier des 50-jährigen Jubiläums 2003 zählte die JUH Hamburg 180 hauptamtliche Mitarbeiter. 2025 ist die Helferschaft auf mehr als 270 hauptamtliche Kräfte und stolze 875 Menschen im Ehrenamt angewachsen. Weitere 282 Mitarbeiter im Hauptamt sowie 270 ehrenamtliche Helfer sind für die JUH Harburg im Einsatz.

Mit Gunno-Christoph v. Stumpfeld (+ 2022) trat 1966 der zweite Kommendator der jungen Genossenschaft mit damals 70 Rittern an. In seine Amtszeit fiel die Gründung des oben bereits genannten Eckhard von Estorff-Stifts, einer Einrichtung für soziales Wohnen, die 1969 ihre Türen öffnete.

Als v. Stumpfeld sein Amt 1972 niederlegen musste, folgte ihm Georg v. Rabenau (+1991) nach. Während seiner Regierungszeit wuchs die Kommende auf fast 100 Ritter. Mit dem stetigen Zuwachs kam erstmals das Thema der Gründung von Subkommenden auf. Die auch im johanniterlichen Kontext gespiegelte Besonderheit der Hansestadt brachte der Kommendator gegenüber dem Ordenskanzler 1980 einmal treffend auf den Punkt: „Für Hamburg besteht die Situation, dass in einer Stadt allein eine Genossenschaft besteht, oder umgekehrt, dass eine Genossenschaft als bodenständiges Gebiet nur eine Stadt hat. (…) In Hamburg besteht (…) eine Groß-Kommende oder mindestens eine Kommende!“ Tatsächlich erfolgte sieben Jahre darauf die offizielle Umbenennung in „Kommende“ – allerdings aufgrund der kompromisslos-ablehnenden Haltung gegenüber der Genossenschafts-bezeichnung für einen eingetragenen Verein seitens des Hamburger Amtsgerichts.

Benefizkonzert der Johanniter-Hilfsgemeinschaft: Orchester und Chor in einer Kirche vor vollen Bänken

Die jährlich stattfindenden Benefizkonzerte der JHG Hamburg tragen maßgeblich zur Finanzierung der Integra-Freizeit und der Kinder- und Jugend-Freizeit bei.

Grün-blauer Neubau der Bahnhofsmission am Hamburger Hauptbahnhof, dahinter die Kuppel der Kunsthalle

2023 öffnete im Neubau der Bahnhofsmission Hamburg neben dem Hauptbahnhof das sogen. Notpflegeangebot, ein bisher deutschlandweit einmaliges Projekt der Bahnhofsmission mit Johanniter- und Malteserorden sowie hoffnungsorte hamburg.

Kommendator v. Rabenau schied 1987 aus gesundheitlichen Gründen aus dem Amt aus. Mit seinem Vorgänger v. Stumpfeld wurde der zweite auch zum vierten Kommendator in Hamburg. Mit der Einrichtung von „Gesprächskreisen“ in der in Nord, Ost, Süd und West unterteilten Kommende legte er behutsam den Grundstein für die heutige Subkommende-Struktur. Sein Vorschlag, den Gesprächskreisleiter West, Dr. Gerhard Commichau, zu seinem Nachfolger zu wählen, stieß 1990 auf große Zustimmung beim Herrenmeister und den Hamburger Johannitern.

Commichau legte hohen Wert darauf, dass in Hamburg möglichst junge Ritter neu zum Orden stießen. Heute zählt die Kommende zu den jüngsten im Orden.

Commichau trieb daneben die Umwandlung der Gesprächskreise voran und zum Jahreswechsel 1990/91 entstanden so die Subkommenden Alster, Bille, Elbe und Walddörfer. Elbe wuchs so schnell, dass sie schon im darauffolgenden Jahr aufgeteilt wurde und die Subkommende Blankenese entstand. Nordheide war als Vorreiter-Subkommende bereits 1982 gegründet worden, allerdings auf niedersächsischem Gebiet, aufgrund der Hamburg-Orientierung der dort lebenden Ritterbrüder.

Mit der Eröffnung der Wohnanlage St. Johannis zu Bergedorf 1994 erhielt die Hamburgische Kommende ein weiteres Ordenswerk: Die Anlage bietet rund 50 Wohnungen, einen Tagungs- und einen Andachtsraum und wird von Senioren im „Betreuten Wohnen“ der JUH bewohnt.

Auch Commichau zwangen gesundheitliche Probleme, das Amt niederzulegen und 2001 folgte ihm Ivo v. Trotha (+2014) nach. Kommendator v. Trotha tat sich durch sein ausgeprägtes ehrenamtliches Engagement in dem Orden verbundenen und kirchlichen Institutionen hervor. Insbesondere seine Mitgliedschaft in dem renommierten Kollegium der Oberalten, dem er bis 2006 als Präses vorstand, wusste er auch für den Orden zu nutzen: Der Präses-Kommendator führte in jener Zeit die Ordensgeschäfte aus seinem Büro im Hospital zum Heiligen Geist, wo auch Rittertage stattfanden.

Als die JUH 2006 nach Wandsbek umsiedelte, erkannte v. Trotha die Chance, dort ein gemeinsames Ordenszentrum einzurichten. Erstmalig in der Ordensgeschichte zogen so in einer Genossenschaft der Orden und seine Werke JUH und JHG zusammen unter ein Dach.

Zum Ende seiner Kommendatur setzte er 2010 die Gründung der siebten Subkommende der Hamburgischen Kommende durch, die den Namen Stadtpark erhielt, so dass die Hamburgische Kommende aktuell in sieben Subkommenden eingeteilt ist.

Der Johanniter lässt sich rufen, wo die Not des Nächsten auf seine tätige Liebe und der Unglaube der Angefochtenen auf das Zeugnis seines Glaubens warten.